Industrial AV

Kamerasysteme in Ex-Zonen: Wann Industrial AV eine ATEX-Zulassung braucht

Eine Standard-PTZ-Kamera in einer explosionsgefährdeten Produktionshalle ist kein Kostenrisiko, sondern ein Sicherheitsrisiko. Die ATEX-Zonen einfach erklärt.

2 Min. Lesezeit creakom.tv Redaktion

Eine Kamera, die in einer normalen Lagerhalle problemlos läuft, kann in einer Lackierkabine oder einem Tanklager zur Zündquelle werden. Der Unterschied ist nicht die Kamera, sondern die Umgebung — und genau deshalb ist "welche Kamera passt" bei Industrial AV nie die erste Frage. Die erste Frage ist: In welcher Ex-Zone steht sie überhaupt?

Was eine Ex-Zone überhaupt bedeutet

Die ATEX-Richtlinie 2014/34/EU unterteilt explosionsgefährdete Bereiche nach der Häufigkeit und Dauer, mit der eine explosionsfähige Atmosphäre auftritt — getrennt nach Gasen/Dämpfen und brennbaren Stäuben. Jede Zone verlangt ein eigenes Schutzniveau der eingesetzten Geräte:

Zone (Gas)Zone (Staub)Auftreten der Gefahr
Zone 0Zone 20Ständig oder über lange Zeiträume
Zone 1Zone 21Gelegentlich im Normalbetrieb
Zone 2Zone 22Selten und nur kurzzeitig

Für die Kameraauswahl heißt das: Ein Gerät, das für Zone 2 zugelassen ist, darf nicht automatisch in Zone 1 betrieben werden. Die Zuordnung trifft nicht die Medientechnik, sondern das Explosionsschutzdokument der Anlage — die Technik wird danach ausgewählt, nicht umgekehrt.

3 Gas-Zonen (0–2), analog 3 Staub-Zonen (20–22)
T1–T6 Temperaturklassen für die maximale Oberflächentemperatur
2 Geräte­gruppen Bergbau (I) und übrige Industrie (II)

Nach ATEX-Richtlinie 2014/34/EU. Die konkrete Einstufung eines Bereichs obliegt dem Betreiber bzw. dessen Explosionsschutzbeauftragtem.

Der Punkt, an dem Projekte in der Praxis scheitern

Selten an der Kamera selbst — Ex-geschützte Kameras sind Stand der Technik und marktverfügbar. Der Fehler entsteht an der Peripherie: Kabeldurchführungen, die nicht mit derselben Zulassung ausgeführt sind, Halterungen, die nachträglich gebohrt werden, oder eine Kamera, die zwar zugelassen ist, aber in einem Gehäuse verbaut wird, das die Wärme nicht ausreichend ableitet.

Ex-Schutz ist eine Systemfrage, keine Geräteeigenschaft

Eine einzelne zugelassene Kamera schützt nichts, wenn Kabel, Steckverbinder, Gehäuse und Montage nicht mit demselben Schutzniveau ausgeführt sind. Die Zulassung gilt für das verbaute Gesamtsystem — nicht für die Kamera allein.

Fazit

Wer Kamerasysteme für Produktionsbereiche plant, sollte die Zonenfrage vor der Geräteauswahl klären, nicht danach. Das kostet in der Angebotsphase eine zusätzliche Abstimmungsrunde mit dem Explosionsschutzbeauftragten — und erspart eine nachträgliche Nachrüstung, die in Ex-Zonen deutlich teurer ist als die richtige Planung von Anfang an.

Weiterführend

Veroeffentlicht am 21. August 2026 · creakom.tv Redaktion
Quellen: Einordnung auf Basis der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU. Die tatsächliche Zoneneinteilung eines Bereichs legt der Explosionsschutzbeauftragte des Betreibers fest — dieser Artikel ersetzt kein Explosionsschutzdokument.

Kamerasysteme für sensible Produktionsbereiche?

Wir klären vorab, welche Zone vorliegt und was das für die Technik bedeutet.

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