Content Creation
Interne Videoproduktion: Ab wann sich ein festes Redaktionsteam lohnt
Ab einem bestimmten Videovolumen kippt die Rechnung von externer Beauftragung auf ein eigenes Team. Wo diese Schwelle in der Praxis liegt – und was vorher sinnvoller ist.
In der eigenen Projektpraxis liegt der Punkt, ab dem sich ein festes internes Redaktionsteam gegenüber externer Einzelbeauftragung rechnet, bei ungefähr 25 bis 30 Videoformaten pro Jahr – vorausgesetzt, es handelt sich um wiederkehrende Formate wie interne Updates, Recruiting-Clips oder Produktschulungen, nicht um vereinzelte Großproduktionen.
Zwei Kostenmodelle, ein Knick in der Kurve
Externe Beauftragung skaliert linear: Jedes Video kostet ungefähr dasselbe, unabhängig davon, ob es das erste oder das vierzigste im Jahr ist. Ein festes Team dagegen hat hohe Fixkosten — Gehälter, Ausrüstung, ggf. Raum — die sich erst über eine bestimmte Stückzahl amortisieren. Unterhalb dieser Schwelle ist Auslagern günstiger, weil die Fixkosten des Teams auf zu wenige Videos verteilt werden. Oberhalb kehrt sich das Verhältnis um, weil die Grenzkosten pro zusätzlichem Video beim internen Team deutlich niedriger liegen als der externe Tagessatz.
Richtwerte aus eigener Projektkalkulation für wiederkehrende Unternehmensformate; Einzelproduktionen mit hohem Aufwand (z. B. Imagefilm, Greenscreen-Sets) verschieben die Schwelle nach oben.
Wo die Schwelle in der Praxis liegt
Die Zahl 25 bis 30 ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis, ab dem sich die laufenden Kosten eines Teams — inklusive Schnitt, Motion Design und Koordination — typischerweise auf ein günstigeres Niveau pro Video drücken lassen als bei externer Beauftragung. Bei größeren Unternehmen mit mehreren Standorten oder Sprachversionen verschiebt sich die Schwelle nach unten, weil jede externe Beauftragung zusätzliche Abstimmungsrunden kostet. Bei sehr spezialisierten Einzelformaten — etwa einem jährlichen Imagefilm mit aufwendigem Storytelling — bleibt Auslagern dagegen meist sinnvoll, selbst bei hohem Gesamtvolumen an anderer Stelle.
- Unterhalb der Schwelle: externe Beauftragung pro Projekt, mit klar briefbaren, wiederkehrenden Formatvorlagen.
- Um die Schwelle herum: ein hybrides Modell — feste Kernproduktion intern, Spitzen und Spezialformate extern.
- Deutlich darüber: festes Team mit eigenem Equipment, oft ergänzt um ein zentrales Studio statt verteilter Einzellösungen.
Der häufigste Fehler: Studio gebaut, Redaktionsprozess vergessen
Kamera, Licht und Regieplatz sind schnell beschafft — der eigentliche Engpass entsteht danach: Wer briefft, wer schneidet, wer gibt frei, wo liegen Musik- und Bildrechte? Ohne einen klaren Redaktionsprozess bleibt ein teures Studio ungenutzt, während Videos weiterhin ad hoc und extern entstehen. Der Prozess entscheidet über die Auslastung, nicht das Equipment.
Was ein internes Team zusätzlich braucht
Ein Redaktionsteam ist mehr als eine Person mit Kamera. Damit sich die Rechnung aus dem KPI-Block tatsächlich einstellt, gehören mindestens dazu:
- Ein Redaktionsplan — feste Formate mit wiederkehrender Struktur statt jedes Video als Einzelfall.
- Ein Freigabeprozess — klar definiert, wer wann final freigibt, sonst verschiebt sich jede Deadline.
- Ein zentraler Ablageort für Rohmaterial, Vorlagen und Musiklizenzen — sonst beginnt jedes Video wieder bei null.
- Eine Vertretungsregelung — ein Team aus einer Person ist bei Urlaub oder Krankheit kein Team, sondern ein Risiko.
Fazit
Die Entscheidung zwischen Auslagern und eigenem Team ist selten eine Grundsatzfrage, sondern eine Rechnung mit dem eigenen Videovolumen. Wer unterhalb von etwa 25 Formaten im Jahr liegt, zahlt für ein festes Team meist drauf. Wer deutlich darüber liegt und trotzdem weiter ausschließlich extern beauftragt, zahlt ebenfalls drauf — nur unsichtbarer, verteilt auf viele einzelne Rechnungen.